Special Note September 2026 · Quelle: Citi Wealth, „2026 Global Family Office Report: Capital, Capability and Continuity“, September 2026
Der von Citi Wealth veröffentlichte 2026 Global Family Office Report basiert auf einer weltweiten Befragung von 351 Entscheidungsträgern großer Family Offices (privaten Vermögensverwaltungsinstituten für sehr vermögende Familien) aus über 40 Ländern. Die Studie gewährt tiefe Einblicke in die Denkweise der weltweit führenden Vermögenseigentümer, deren betreute Familien ein durchschnittliches Nettovermögen von über 2,1 Milliarden US-Dollar aufweisen.
Für die Asset Protection Community – also Anleger, die sich intensiv mit dem strukturierten Vermögensschutz vor rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Risiken befassen – bietet dieser Bericht wertvolle Orientierungspunkte. Die zentralen Erkenntnisse lassen sich in drei ineinandergreifenden Säulen zusammenfassen: Capital (Kapitalallokation und Renditesteuerung), Capability (organisatorische Fähigkeiten, Governance und Technologie) sowie Continuity (Generationenübergang und Nachfolgeplanung).
1. Capital: Disziplinierte Kapitalallokation und gezieltes Risikomanagement
Anpassung der Anlagestrategie an ein neues Marktumfeld
Trotz geopolitischer Spannungen, anhaltender Inflation und schwankender Zinsen agieren Family Offices keineswegs in Panik oder ziehen sich flächendeckend aus den Märkten zurück. Statt taktischer Kurzschlussreaktionen setzen 41 % der Befragten auf unveränderte Portfoliostrukturen, während 34 % ein aktives Management (kontinuierliche Anpassung der Einzeltitel und Branchen) und 27 % gezielte Absicherungsstrategien (Hedging) nutzen.
Ein überragender Anteil von fast 90 % aller untersuchten Family Offices verzeichnete im laufenden Jahr 2026 positive Portfoliorenditen. Die Mehrheit visiert für das Gesamtjahr ein Jahresrenditeziel von 7 % bis 10 % an. Dabei zeigt sich, dass disziplinierter Vermögensschutz nicht das blinde Vermeiden von Risiken bedeutet, sondern deren aktive Steuerung.
Vermögensaufteilung (Asset Allocation) im Detail
Das AUM (Assets under Management / verwaltetes Gesamtvermögen) der Family Offices verteilt sich auf eine breite Palette von Anlageklassen:
- Public Equities (Börsennotierte Aktien): Mit 30 % den größten Anteil des Gesamtportfolios stellend, bleiben liquide Aktien der wichtigste Anker. Im Rückblick auf die vergangenen 12 Monate bauten 46 % der Family Offices ihre Aktienpositionen aus. Für die kommenden 12 Monate planen 37 % der Büros eine weitere Erhöhung, wobei vor allem Aktien aus Industrieländern bevorzugt werden.
- Fixed Income (Festverzinsliche Wertpapiere / Anleihen): Mit 16 % Portfolioanteil dienen Anleihen der Stabilität. Wegen des Zinsumfelds und der Inflationsbedenken bevorzugen Chefanlagestrategen (CIOs / Chief Investment Officers) derzeit kurze bis mittlere Laufzeiten.
- Cash & Cash Equivalents (Barreserven und liquide Mittel): Halten einen Anteil von 12 %. Der Anstieg von Barreserven spiegelt einerseits defensive Vorsichtsmaßnahmen gegen geopolitische Schocks wider, birgt jedoch bei anhaltender Inflation das Risiko eines realen Kaufkraftverlusts.
- Direkte Immobilien (Direct Real Estate): Machen 10 % des Portfolios aus und sorgen für laufende Erträge sowie Inflationsschutz.
- Private Equity (Außerbörsliches Eigenkapital): Direktinvestitionen in nicht-börsennotierte Unternehmen (9 %) und Beteiligungen über Private-Equity-Fonds (9 %) bilden zusammen 18 % des Gesamtvermögens. Bei Neuanlagen fokussieren sich 30 % auf Wachstumskapital (Growth Equity), 21 % auf Risikokapital (Venture Capital / VC für junge Technologieunternehmen) und 19 % auf den Zweitmarkt (Secondaries / Kauf bestehender Fondsanteile).
- Weitere Anlageklassen: Hedgefonds (Anlagefonds mit flexiblen Absicherungs- und Renditestrategien) machen 4 % aus, Private Credit (nicht-bankliche Direktkredite) 2 %, Immobilienfonds 2 %, Rohstoffe (Commodities) 1 %, Kunstgegenstände 0,9 % und Digital Assets (digitale Vermögenswerte wie Kryptowährungen) lediglich 0,3 %.
Inflationsschutz und Schutz vor Systemrisiken
Die Risikowahrnehmung der Vermögenseigentümer hat sich deutlich verschoben: Inflation wurde zur primären Sorge erklärt, gefolgt von der Zinsentwicklung und der Stabilität des Finanzsystems.
Für den Vermögensschutz empfehlen die Anlagestrategen klassische Schutzmechanismen: Gold dient als zentraler Stabilitätsanker im Portfolio, während Rohstoffe als mittelfristiger Inflationsschutz eingesetzt werden. Da die traditionelle negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen in Zeiten hoher Inflation schwächelt, gewinnen breit diversifizierte Sachwerte an Bedeutung. Zugleich mahnt der Report zur Vorsicht bei Private Credit (Direktkrediten), wo die Ausfallraten auf ein Rekordhoch von 6 % gestiegen sind. Auch bei digitalen Vermögenswerten bleiben Family Offices sehr zurückhaltend (nur 3 % planen Aufstockungen, 14 % Reduzierungen).
2. Capability: Institutionalisierung, Governance und Technologie
Professionalisierung der Vermögensverwaltung
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass führende Family Offices den Begriff der Institutionalisierung weit über die reine Kapitalanlage hinaus ausdehnen. Um das Vermögen rechtlich und operational gegen externe und interne Risiken abzusichern, greifen immer mehr auf strukturierte Instrumente zurück:
- IPS (Investment Policy Statement): Eine schriftlich fixierte Anlagerichtlinie, die Anlagestrategien, Risikogrenzen und Entscheidungsprozesse verbindlich regelt.
- Investment Committee (Anlageausschuss): Ein Gremium aus internen Fachkräften und externen Experten zur unabhängigen Prüfung von Anlageentscheidungen.
- Formalisiertes Risikomanagement-Framework: Rund 49 % der befragten Family Offices verfügen bereits über ein strukturiertes Risikomanagementsystem.
Größere Family Offices (mit einem verwalteten Vermögen von über 500 Millionen US-Dollar) weisen hierbei einen höheren Professionalisierungsgrad auf als kleinere Einheiten. So investieren größere Büros verstärkt in interne Talente (32 % vs. 17 %) und fortschrittliche Konsolidierungs-Software (47 %).
Künstliche Intelligenz (KI) als Effizienztreiber
Bei der Nutzung von KI (Künstliche Intelligenz / englisch AI für Artificial Intelligence) hat ein drastischer Wandel stattgefunden: Innerhalb von nur 12 Monaten hat sich KI von einer reinen Experimentierphase zu einer operativen Realität entwickelt.
Rund 82 % der Family Offices nutzen KI bereits in unterschiedlichem Ausmaß (10 % fortgeschritten, 30 % moderat, 40 % in frühen Phasen). Der Fokus liegt dabei klar auf operativer Effizienz und Produktivität statt auf automatisierten Anlageentscheidungen:
- Dokumentenverarbeitung und Analyse: Automatisiertes Auslesen von rechtlichen Verträgen, Steuerdokumenten und Berichten.
- Arbeitsablauf-Automatisierung: Optimierung interner Abläufe, Wissensmanagement und Berichterstattung.
- Anlage-Research: Unterstützung der Due-Diligence-Prüfung (sorgfältige Risiko- und Potenzialanalyse von Zielunternehmen).
Sämtliche finale Anlageentscheidungen verbleiben jedoch strikt in menschlicher Hand.
Cybersicherheit als Kernkomponente des Asset Protections
In einer zunehmend digitalisierten Welt verlagert sich der Vermögensschutz verstärkt in den virtuellen Raum. Der Report hebt hervor, dass KI einerseits Angriffe auf Vermögenswerte verbilligt und vereinfacht, andererseits aber den Wert des zu schützenden geistigen und finanziellen Kapitals erhöht.
Cybersicherheit zählt daher für 20 % aller Family Offices zu den höchsten strategischen Entwicklungsprioritäten. IT-Sicherheitsbudgets werden als nicht-diskretionäre (unverzichtbare) Betriebsausgaben eingestuft.
3. Continuity: Nachfolgeplanung, NextGen-Befähigung und Cross-Border-Asset-Protection
Dringlichkeit der Nachfolgeplanung (Succession Planning)
Vermögen über Generationen hinweg zu erhalten ist eine der schwierigsten Aufgaben im Vermögensschutz. Ein Drittel (33 %) aller befragten Family Offices erwartet innerhalb der nächsten fünf Jahre einen Führungswechsel – sei es im Family Office selbst (20 %), im Familienunternehmen (15 %) oder im Familienrat (14 %). Bei Familien ab der dritten Generation (G3+) steigt dieser Wert sogar auf über 43 %.
Trotz der erkannten Relevanz ist der Vorbereitungsgrad oft unzureichend: Nur 17 % fühlen sich sehr gut vorbereitet, während 34 % sich eher gut vorbereitet fühlen und mehr als ein Drittel Unsicherheiten aufweist. Zu den größten Hürden zählen:
- Unklare Nachfolgepläne: Fehlende Transparenz bezüglich zukünftiger Rollen und Verantwortlichkeiten.
- Mangelnde Vorbereitung der Nachfolger: Unzureichende Qualifikation oder Führungserfahrung der nächsten Generation.
- Fehlende gemeinsame Vision: Mangelnde Abstimmung über die zukünftige Ausrichtung des Familienvermögens.
- Zögern der aktuellen Gründergeneration: Mangelnde Bereitschaft der jetzigen Führungspersonen, Verantwortung abzugeben.
Ausbildung der NextGen (Next Generation)
Der Schutz des menschlichen Kapitals wird von den Befragten als ebenso wichtig erachtet wie der Erhalt des Finanzkapitals. Für 36 % der Büros steht die Ausbildung der NextGen (Next Generation / nachfolgende Generation von Vermögenseigentümern) an oberster Stelle der Prioritätenliste.
Um die Nachfolger von bloßen Erben zu verantwortungsvollen Verwaltern (Stewards) auszubilden, setzen führende Familien auf eine Kombination aus:
- Berufserfahrung außerhalb des Familienunternehmens: (von 54 % der G3+-Familien genutzt).
- Teilnahme an Governance-Gremien: Beobachterrollen in Aufsichtsräten oder Anlageausschüssen (60 % bei G3+).
- Coaching durch Führungskräfte des Family Office: Mentoring durch erfahrene Manager (52 % bei G3+).
- Spezifische Familien-Einführungsprogramme: Schulungen in Finanzkompetenz, Wertevermittlung und Rechtsstrukturen.
Cross-Border-Komplexität und internationale Vermögensstrukturierung
Die Globalisierung von Unternehmerfamilien nimmt rapide zu. Etwa 38 % der Befragten erwarten, dass die internationale Mobilität ihrer Familienmitglieder (durch Auslandswohnsitze, Zweitstaatsbürgerschaften oder grenzüberschreitende Unternehmensaktivitäten) in den nächsten fünf Jahren weiter steigen wird.
Diese Entwicklung erhöht die Anforderungen an die rechtliche und steuerliche Vermögensarchitektur drastisch (Cross-Border Planning). Risiken entstehen vor allem durch:
- Multi-jurisdiktionale Steuerkoordination: Steuerpflichten in mehreren Ländern, die ohne zentralisierte Planung zu Doppelbesteuerung oder rechtlichen Konflikten führen können.
- Fragmentierung der Aufsichts- und Rechtsstrukturen: Unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen für Stiftungen, Trusts oder Holdinggesellschaften.
- Regulatorische Compliance: Einhaltung internationaler Meldepflichten und Transparenzregister.
Leading Family Offices fungieren hierbei als zentrale Koordinationsstelle, die eine konsolidierte Gesamtschau über sämtliche globale Vermögenswerte, Rechtsstrukturen und Wohnsitze der Familienmitglieder sicherstellt. Zur Bewältigung dieser Komplexität greifen 29 % verstärkt auf externe Berater für Steuer- und Finanzplanung sowie 26 % für Nachfolge- und Vermögensplanung zurück.
Fazit: Kernerkenntnisse und Handlungsempfehlungen für Privatanleger
Der 2026 Global Family Office Report demonstriert eindrucksvoll, wie die weltweit professionellsten Vermögensverwalter auf Unsicherheit reagieren: Nicht durch spekulative Hektik, sondern durch institutionelle Disziplin, strategische Diversifikation und zukunftsorientierte Strukturen.
Für private Anleger und Vermögensinhaber ergeben sich daraus konkrete Handlungsfelder für den eigenen Vermögensschutz (Asset Protection):
- Portfolio-Resilienz vor Ertragsgier: Setzen Sie auf eine solide Basis aus Qualitätstiteln (Public Equities), ergänzt durch Sachwerte wie Immobilien und Gold als Inflationsschutz. Vermeiden Sie übermäßige Bargeldquoten, um Kaufkraftverluste durch die Inflation zu verhindern.
- Schriftliche Anlagerichtlinien (IPS) etablieren: Definieren Sie klare Anlageregeln, Risikogrenzen und Rebalancing-Mechanismen, um in Marktphasen hoher Volatilität emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden.
- Digitale und operative Sicherheit verstärken: Schützen Sie Ihre Finanzdaten und Zugänge durch professionelle Cybersicherheitsmaßnahmen und nutzen Sie moderne Software zur Konsolidierung Ihrer Vermögenswerte.
- Nachfolge und Governance frühzeitig regeln: Beginnen Sie Jahre vor dem geplanten Übergang mit der Einbindung und Ausbildung der nächsten Generation. Vermögensschutz scheitert selten an den Märkten, sondern meist an unklaren Familienstrukturen und fehlender Vorbereitung der Nachfolger.
- Grenzüberschreitende Risiken im Blick behalten: Wenn Familienmitglieder im Ausland leben oder Vermögenswerte in verschiedenen Ländern liegen, ist eine ganzheitliche rechtliche und steuerliche Strukturierung unerlässlich.
Quellen
zum Aufklappen
Citi Wealth (2026): 2026 Global Family Office Report: Capital, Capability and Continuity. Befragung von 351 Family-Office-Führungskräften weltweit, initiiert im Rahmen des 11. jährlichen Global Family Office Leadership Summit.