Kolumne
Das große Bild
Singapur führt den neuen Wealth Mobility Competitiveness Score (den Punktewert, mit dem der Report die strukturelle Attraktivität einer Jurisdiktion für mobiles Vermögen auf einer Skala von 0 bis 100 misst) mit 79,5 Punkten an, vor Neuseeland (75,8) und den Cayman Islands (74,3). Bemerkenswert: 11 der 16 bestplatzierten Volkswirtschaften haben weniger als 10 Millionen Einwohner.
Deutschland (69,7) wird als „unter Druck stehende Jurisdiktion“ eingestuft: Debatten über Vermögenssteuer sowie Erbschaft- und Wegzugsbesteuerung bewegen zunehmend mobile Vermögensinhaber dazu, Alternativen im Ausland zu prüfen.
Das Vereinigte Königreich verliert an Boden: Die Abschaffung des Non-Dom-Regimes (einer Steuerregel, nach der im UK wohnhafte, aber dort nicht dauerhaft steuerlich verwurzelte Personen ihr Auslandsvermögen nur eingeschränkt versteuern mussten), verschärfte Erbschaftsteuerregeln und die Schließung des Tier-1-Investorenvisums (des früheren britischen Aufenthaltstitels für Investoren) haben zu einem spürbaren Anstieg an Anfragen für internationale Alternativen geführt.
Klimatische und geopolitische Widerstandsfähigkeit werden zu einem eigenständigen Entscheidungsfaktor. Neben Neuseeland und der Schweiz gewinnen die nordischen Länder und Teile Kanadas als sogenannte „climate safe havens“ (Standorte, die wegen stabiler Institutionen, Energiesicherheit und Wasserversorgung als klimatisch robust gelten) an Zulauf – nicht wegen niedriger Steuern.
Italien bleibt durch sein Pauschalsteuer-Regime für neue Residenten attraktiv: eine feste jährliche Abgabe auf ausländische Einkünfte anstelle der regulären Einkommen- und Vermögensbesteuerung. Seit dem 1. Januar 2026 liegt sie bei EUR 300.000 (Familienmitglieder EUR 50.000) – die Nachfrage blieb trotz der Anhebung stabil, vor allem aus dem Vereinigten Königreich.
Neuseeland zeigt, wie schnell politische Weichenstellungen heute wirken: Die neu aufgelegte Active Investor Plus Visa (Neuseelands Aufenthaltsprogramm für vermögende Investoren) führte innerhalb von neun Monaten zu mehreren hundert Anträgen – mehr als in den vorangegangenen zweieinhalb Jahren zusammen.
Ein kurzer Blick in die Methodik
Bevor die Details folgen, lohnt ein Blick darauf, wie der Report zu seinen Zahlen kommt. Anders als frühere Ausgaben, die vor allem geschätzte Zu- und Abwanderungszahlen von Millionären veröffentlichten, stützt sich die Ausgabe 2026 auf ein neu entwickeltes Global Wealth Mobility Framework (ein Bewertungsmodell für die strukturelle Standortattraktivität, entwickelt mit analytischer Unterstützung von AlphaGeo). Jede Jurisdiktion wird auf zwölf Dimensionen bewertet, von steuerlicher Behandlung über Rechtsstaatlichkeit und Lebensqualität bis hin zu Klimaresilienz, Zugang für Fachkräfte und Digital-Nomaden-Programmen. Jede Dimension erhält einen Wert zwischen -3 und +3, gewichtet nach ihrer Bedeutung für mobiles Vermögen, und daraus ergibt sich der Gesamt-Score von 0 bis 100. Steuerliche Behandlung sowie Rechtsstaatlichkeit und Lebensqualität fließen am stärksten gewichtet ein, weil sie laut Report am häufigsten den Ausschlag für eine Standortentscheidung geben; Klimaresilienz, Fachkräftezugang und Digital-Nomaden-Programme sind demgegenüber geringer gewichtet, da sie nur für bestimmte Gruppen mobiler Vermögensinhaber ausschlaggebend sind. Wichtig für die Einordnung: Der Score misst strukturelle Wettbewerbsfähigkeit, nicht tatsächliche Zu- oder Abflüsse von Vermögen, und ist ausdrücklich keine Migrationsprognose.
Quelle: Global Wealth Mobility Framework – Methodik
Quelle: Millionaire Migration & Wealth Mobility Intelligence
Detailanalysen entlang der fünf Faktoren
Rechtsstaatlichkeit
Der Report bewertet Rechtssicherheit und politische Vorhersehbarkeit als einen der am stärksten gewichteten Faktoren für mobile Vermögen. Das Vereinigte Königreich verliert hier spürbar an Boden: Auf die Abschaffung des Non-Dom-Regimes im April 2025 folgten Änderungen bei der Erbschaftsteuer und die Schließung des Tier-1-Investorenvisums (siehe „Das große Bild“). Henley & Partners registrierte zwischen 2024 und 2025 einen Anstieg britischer Anfragen um 15 Prozent; im laufenden Jahr stammen bereits 53 Prozent aller aus britischen Adressen eingehenden Anträge von ausländischen Staatsangehörigen, die dort leben – britische Staatsbürger selbst stellen inzwischen fast die Hälfte aller vom Unternehmen bearbeiteten Anträge, gegenüber nur 8 Prozent im Jahr 2018. Das Vereinigte Königreich ist damit vom zwanzigstgrößten Herkunftsmarkt für neue Mandate im Jahr 2018 zu einem der fünf größten weltweit aufgestiegen.
Auch Frankreich zeigt, dass bereits die Diskussion über eine Politikänderung wirkt, selbst wenn sie am Ende nicht umgesetzt wird: Im Oktober 2025 verfehlte eine Citizenship-based-Taxation-Regelung (Besteuerung nach Staatsangehörigkeit statt nach Wohnsitz, wie sie die USA seit Langem praktizieren) die Mehrheit im Parlament nur um eine Stimme. Obwohl der Vorschlag nicht in den Haushalt 2026 aufgenommen wurde, werten viele vermögende Französinnen und Franzosen ihn als Hinweis auf eine mögliche künftige Kursänderung – die Zahl der Anfragen französischer Staatsangehöriger ist entsprechend gestiegen, das Land zählt inzwischen zu den 15 größten Herkunftsmärkten des Unternehmens, nach einem Platz außerhalb der Top 40 noch im Jahr 2024. Norwegen liefert ein drittes Beispiel: Nach spürbaren Abwanderungen infolge einer verschärften Vermögenssteuer reagierte die Regierung ihrerseits mit strengeren Wegzugsteuerregeln, was die langfristige Planbarkeit für dort ansässige Vermögensinhaber zusätzlich erschwert. Deutschland und Frankreich sind dabei nicht per se unattraktiv geworden, sie haben sich nach Einschätzung des Reports vor allem auf jenen Dimensionen relativ verschlechtert, die für mobiles Vermögen am stärksten zählen, während einzelne Konkurrenzstandorte ihre eigene Position gezielt gestärkt haben.
Quelle: Wealth Mobility Markets to Watch 2026
Quelle: How Governments Win Global Wealth (Philippe Amarante)
Quelle: Pressemitteilung zum Report 2026
Verwahrung
Bei der Frage, wo Vermögen sicher verwahrt und strukturiert werden kann, führen im Ranking Standorte mit tiefen, liquiden Kapitalmärkten und etablierter Finanzinfrastruktur: Singapur, die Schweiz sowie die Cayman Islands und Bermuda als steuerneutrale Strukturierungsstandorte mit hoher Rechtssicherheit. Die Schweiz profitiert laut Report zusätzlich von wachsender geopolitischer Unsicherheit, die ihr weltweit führendes Private-Banking (die spezialisierte Vermögensverwaltung für vermögende Privatkunden), ihre institutionelle Stärke und ihre Neutralität stärker in den Vordergrund rückt. Auch Hongkong wird als eigenständige Jurisdiktion mit 71,2 Punkten geführt und bleibt für Kapital aus Festlandchina relevant – auch wenn ein wachsender Teil dieses Kapitals inzwischen von Hongkong aus weiter nach Singapur wandert.
Innerhalb der Europäischen Union bilden Zypern, die Niederlande und Lettland eine zweite Gruppe von Verwahr- und Strukturierungsstandorten: Sie bieten EU-Rechtssicherheit, etablierte Fondsstandorte und grenzüberschreitende Anerkennung von Trust- und Stiftungsstrukturen, auch wenn sie in Sachen Steuerlast oder Marktgröße nicht mit Singapur oder der Schweiz konkurrieren. Für Vermögensinhaber im DACH-Raum bedeutet das: Die Wahl eines Verwahrstandorts lässt sich nicht von der Wahl des Aufenthaltsstandorts trennen, da beide Faktoren zusammen die Rechtssicherheit einer Struktur bestimmen.
Quelle: Global Wealth Mobility Leaders 2026
Resilienz der Vermögenswerte
Der Beitrag von Dr. Parag Khanna beschreibt Klimaresilienz als neue, eigenständige Kategorie innerhalb der Vermögensmigration. Neuseeland, die Schweiz, die nordischen Länder und Teile Kanadas verzeichnen Zuflüsse, die sich nicht allein mit Steuervorteilen erklären lassen – diese Standorte bieten stattdessen stabile Institutionen, Energiesicherheit, Wasserverfügbarkeit und geografische Distanz zu geopolitisch angespannten Regionen. Parallel dazu bauen die Golfstaaten über Vision-2030-Investitionsprogramme (Saudi-Arabiens Strategie zur wirtschaftlichen Diversifizierung jenseits des Öls, auf die sich mittlerweile auch Nachbarstaaten beziehen) eine Art künstlich hergestellte Resilienz auf. Beide Strategien, natürliche und künstlich hergestellte Resilienz, laufen laut Khanna auf dasselbe Ziel hinaus: die Jurisdiktion selbst zu einem langfristigen Vehikel für den Vermögenserhalt zu machen.
Konkret genannt werden die steigenden Versicherungskosten in Florida, Kalifornien und Teilen Südeuropas, die den langfristigen Wert von Immobilienvermögen in diesen Regionen bereits messbar beeinflussen, sowie zunehmender Wasserstress als Standortfrage für die nächste Generation von Familiensitzen. Die Kernaussage des Reports lautet dabei nicht, dass Steuerfragen an Bedeutung verlieren, sondern dass Klimaexposition inzwischen als eigenständige Variable neben die Steuerfrage tritt, wenn langfristige Vermögensplanung über mehrere Generationen betrieben wird.
Quelle: Safe Havens and the Future of Wealth Migration (Dr. Parag Khanna)
Verfügbarkeit
Verfügbarkeit meint hier den Zugang zu mehreren Aufenthaltsrechten, Staatsbürgerschaften und Standorten gleichzeitig – das, was der Report als „souveränes Portfolio“ bezeichnet. Wer 2010 noch mit einem einzigen Reisepass auskam, hält 2026 häufiger zwei oder drei, nicht als Sammlerstück, sondern als aktive Option. Mehr als 28 Prozent der Antragstellenden bei Henley & Partners leben inzwischen bereits außerhalb ihres Herkunftslands – ein Beleg dafür, dass sich vermögende Familien zunehmend über mehrere Jurisdiktionen hinweg aufstellen, statt an ein einziges Land gebunden zu bleiben. Italiens Pauschalsteuer-Regime, die Golden-Visa-Kategorien der Vereinigten Arabischen Emirate (Aufenthaltstitel mit langer Laufzeit für Investoren, die an eine Kapitalanlage oder Immobilieninvestition geknüpft sind) und Saudi-Arabiens Premium-Residency-Programm (ein unbefristetes Aufenthaltsrecht gegen Gebühr oder Investition, ohne den sonst üblichen Arbeitgeberbezug) sind gezielt auf unterschiedliche Vermögensprofile zugeschnitten. Neuseeland liefert mit der neu aufgelegten Active Investor Plus Visa das anschaulichste Beispiel dafür, wie schnell sich politische Öffnung heute in tatsächlicher Nachfrage niederschlägt: mehrere hundert Anträge innerhalb von neun Monaten gegenüber gut hundert in den vorangegangenen zweieinhalb Jahren.
Quelle: Where Wealth Is Moving in 2026 – And Why (Dr. Juerg Steffen)
Sonderfall USA: zwei Bewegungen gleichzeitig
Die USA verdienen bei diesem Faktor eine eigene Betrachtung, weil sie zwei scheinbar widersprüchliche Rollen gleichzeitig einnehmen. Einerseits bleiben sie der größte private Vermögensmarkt der Welt und einer der stärksten Motoren für neue Vermögensbildung. Andererseits sind die USA für Henley & Partners zugleich der größte einzelne Herkunftsmarkt für Anfragen nach zusätzlichem Aufenthalt oder einer weiteren Staatsbürgerschaft. Die Zahl der Anträge US-amerikanischer Staatsangehöriger hat sich 2025 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt und blieb 2026 auf hohem Niveau. Bemerkenswert ist dabei, dass nur 7 Prozent dieser Anträge von Amerikanerinnen und Amerikanern stammen, die bereits im Ausland leben – die Nachfrage kommt also überwiegend von Personen, die weiterhin in den USA ansässig sind, aber zusätzliche Optionen aufbauen wollen. Nahezu die Hälfte der Anträge zielt auf europäische Programme, mehr als ein Viertel auf Lateinamerika und die Karibik. Mit einem Score von 62,3 liegt der Gesamtwert der USA im Ranking auffällig niedrig für die größte Volkswirtschaft der Welt – ein Hinweis darauf, dass Vermögensbildung und strukturelle Wettbewerbsfähigkeit für mobiles Vermögen laut Report zwei unterschiedliche Dinge sind.
Quelle: Where Wealth Is Moving in 2026 – And Why (Dr. Juerg Steffen)
Quelle: Pressemitteilung zum Report 2026
Golfregion: Führungsposition unter Testdruck
Innerhalb der Kategorie „Strategische Jurisdiktionen für globale Mobilität und Zugang“ bewertet der Report die Vereinigten Arabischen Emirate mit einem der höchsten Werte der gesamten Studie, getragen von steuerlicher Wettbewerbsfähigkeit, Investorenzugang, Einbindung der Familie, Sicherheit, internationaler Anbindung und langfristigen Aufenthaltswegen. Zugleich hält der Report fest, dass anhaltende regionale Spannungen die Widerstandsfähigkeit der Golf-Vermögenszentren derzeit auf die Probe stellen: Henley & Partners registrierte zwischen dem vierten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 einen Anstieg der Anfragen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten um 41 Prozent, während Anträge auf einen zusätzlichen Aufenthalt oder eine weitere Staatsbürgerschaft um 29 Prozent zulegten. Selbst der nach eigener Bewertung attraktivste Standort der vergangenen beiden Jahre wird damit zum Beispiel dafür, dass souveräne Portfolios kein Nischenphänomen sind, sondern auch von den Bewohnerinnen und Bewohnern der erfolgreichsten Standorte selbst genutzt werden, sobald sich die geopolitische Lage eintrübt.
Quelle: Pressemitteilung zum Report 2026
Quelle: How Governments Win Global Wealth (Philippe Amarante)
Währungsstabilität
Währungsstabilität spielt in dieser Ausgabe des Reports eine untergeordnete Rolle gegenüber Rechtsstaatlichkeit und Zugang, taucht aber bei den Jurisdiktionen mit anhaltendem Druck auf: Nigerias Währungsschwäche, Russlands sanktionsbedingte Kapitalverkehrskontrollen und die wirtschaftlichen Folgen von Sanktionen gegen Iran werden explizit als Treiber für die internationale Diversifikation vermögender Familien genannt. Für Vermögensinhaber in Europa liefert dieser Faktor derzeit kein eigenständiges Signal, bleibt aber als Hintergrundvariable relevant, sobald sich fiskal- oder geldpolitische Diskussionen verschärfen.
Quelle: Wealth Mobility Markets to Watch 2026
Die Gewinner im Detail: alle 16 führenden Jurisdiktionen
Die folgende Übersicht fasst die 16 Jurisdiktionen zusammen, die der Report als „Global Wealth Mobility Leaders 2026“ führt. Sie ist als Nachschlagehilfe gedacht, nicht als Rangliste im engeren Sinn – der Report selbst betont, dass die Reihenfolge innerhalb der Gruppe keine Wertung zwischen den einzelnen Standorten darstellen soll.
- Zypern (73,5): profitiert von seiner EU-Mitgliedschaft, einem günstigen Steuerregime und der Lage zwischen Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Die Nachfrage verschiebt sich zunehmend weg von reiner Staatsbürgerschaftsvergabe hin zu Aufenthalt, Vermögensstrukturierung und Geschäftstätigkeit.
- Niederlande (72,8): kombinieren starke, stabile Institutionen, internationale Vernetzung und eine strategische Position innerhalb der EU mit einem etablierten Rahmenwerk für grenzüberschreitende Investitionen und Geschäftstätigkeit.
- Portugal (72,5): bleibt durch Lebensqualität und EU-Zugehörigkeit gefragt, wobei Programmänderungen, längere Bearbeitungszeiten und ein weiterer Weg zur Staatsbürgerschaft die Nachfrage gegenüber Vorjahren gedämpft haben.
- Uruguay (71,8): verzeichnet wachsendes Interesse aus Lateinamerika und international, gestützt auf politische Stabilität, starke Institutionen und ein günstiges Steuerregime für neue Residenten. Der Report beschreibt Uruguay als eine der berechenbarsten Jurisdiktionen der Region.
- Lettland (71,7): bietet einen stabilen, familienfreundlichen Standort innerhalb der EU, getragen von soliden demokratischen Institutionen und einem gefestigten Rechtsrahmen.
- Panama (71,5): bleibt ein wichtiger Standort in Amerika dank seines Territorialsteuersystems (nur im Inland erzieltes Einkommen wird besteuert), einer dollarisierten Wirtschaft und etablierter Aufenthaltswege.
- Griechenland (70,5): festigt seine Position als Mittelmeer-Standort durch Lebensstil, steuerliche Anreize für neue Residenten und einen etablierten Golden-Visa-Rahmen; profitiert zusätzlich davon, dass konkurrierende Programme andernorts in Europa enger gefasst oder geschlossen werden.
- Costa Rica (70,2): entwickelt sich zu einer der attraktivsten Destinationen Lateinamerikas, getragen von politischer Stabilität, starken Institutionen und wachsendem Interesse aus Nordamerika und Europa.
- Monaco (70,0): bleibt ein Magnet für Centi-Millionäre (Vermögende mit einem Nettovermögen von mindestens hundert Millionen US-Dollar) und Ultra-High-Net-Worth-Familien, getragen von Sicherheit, politischer Stabilität und Steuereffizienz – begrenzter Raum und hohe Immobilienpreise deckeln dabei naturgemäß den Zufluss neuer Antragsteller.
Quelle: Global Wealth Mobility Leaders 2026
Unter Beobachtung: zwölf Märkte mit Gegenwind
Der Report führt zwölf Jurisdiktionen gesondert als „Wealth Mobility Markets to Watch 2026“ – Standorte, an denen politische, steuerliche, regulatorische oder geopolitische Entwicklungen derzeit Druck auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit ausüben. Der Report betont ausdrücklich, dass dies keine Rangliste der schwächsten Standorte und kein Maß für tatsächliche Vermögensabflüsse ist, sondern eine Beobachtungsliste.
- Deutschland (69,7): Robuste Institutionen, wirtschaftliche Größe und eine starke industrielle Basis bleiben Stärken, doch erneuerte Vermögensteuer-Debatten und Diskussionen über eine Wegzugsbesteuerung lassen einige mobile Vermögensinhaber nach Alternativen in Europa und darüber hinaus Ausschau halten.
- Norwegen (69,0): Starke Institutionen und hohe Lebensqualität bleiben Pluspunkte, doch die Vermögenssteuer hat zu sichtbaren Abwanderungen geführt, worauf die Regierung mit verschärften Wegzugsteuerregeln reagierte.
- Vereinigtes Königreich (68,3): Die Abschaffung des Non-Dom-Regimes, ausgeweitete Erbschaftsteuer, höhere Kapitalertragsteuer und ein insgesamt unsicheres politisches Klima prägen weiterhin die Standortentscheidungen mobiler Vermögensinhaber.
- Südkorea (66,2): Eine der höchsten Erbschaftsteuerlasten im OECD-Raum (dem Kreis der entwickelten Industrienationen), eine ausgeweitete Kapitalertragsteuer und Nachfolgefragen bei Gründerfamilien rücken das Land zunehmend in den Fokus internationaler Diversifikation.
- Frankreich (65,7): Wirtschaftliche Größe, Lebensstil und globale Vernetzung bleiben attraktiv, doch wiederkehrende Debatten über Vermögenssteuer und ein knapp gescheiterter Vorstoß zur Besteuerung nach Staatsangehörigkeit lassen einige vermögende Residenten nach mehr fiskalischer Verlässlichkeit suchen.
- Brasilien (64,2): Als größter Vermögensmarkt Lateinamerikas bleibt Brasilien bedeutend, doch Steuerkomplexität, Währungsvolatilität, Sicherheitsbedenken und politische Unsicherheit treiben die internationale Diversifikation vermögender Familien und Investoren.
- China (60,5): Kapitalverkehrskontrollen, eingeschränkter internationaler Zugang und Bildungsüberlegungen bewegen vermögende Familien zu internationaler Diversifikation (ausführlich im Deep Dive weiter unten).
- Russland (58,7): Sanktionen, Kapitalverkehrskontrollen und geopolitische Isolation schränken die internationale Mobilität ein. Die erste, durch den Krieg gegen die Ukraine ausgelöste Abwanderungswelle ist weitgehend abgeklungen, doch der andauernde Konflikt und der eingeschränkte Zugang zu Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsprogrammen begrenzen weiterhin die Diversifikationsmöglichkeiten wohlhabender Russinnen und Russen.
- Indien (56,5): Trotz eines der am schnellsten wachsenden Vermögensmärkte der Welt bewegen Kapitalverkehrskontrollen, steuerliche Compliance-Komplexität sowie Lebensstil- und Bildungsüberlegungen vermögende Familien zur internationalen Diversifikation, bevorzugt in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Singapur, in die USA und ins Vereinigte Königreich.
- Iran (45,8): Anhaltender Druck auf den Vermögenserhalt durch Sanktionen, Kapitalverkehrskontrollen und die wirtschaftlichen Folgen des jüngsten regionalen Konflikts; die internationale Diversifikation bleibt jedoch durch eingeschränkten Zugang zu Reisepässen und internationalen Wegen begrenzt.
- Libanon (45,5): Anhaltende Instabilität des Bankensektors, wirtschaftliche Verwerfungen, politische Fragilität und der weitere regionale Konflikt bewegen vermögende Familien zu internationaler Diversifikation.
- Nigeria (43,0): Währungsschwäche, Sicherheitsbedenken, politische Unsicherheit und breitere wirtschaftliche Instabilität treiben anhaltenden Diversifikations- und Abwanderungsdruck (ausführlich im Deep Dive weiter unten).
Quelle: Wealth Mobility Markets to Watch 2026
Deep Dive: Neuseeland, China und Nigeria als Beispiel für Afrika
Neuseeland – vom Nischenprogramm zum Magneten
Mit 75,8 Punkten liegt Neuseeland auf Platz zwei des Rankings und wird als „führende Jurisdiktion für Wohlstandsmobilität“ geführt. Bemerkenswert ist der zeitliche Verlauf: Die relaunchte Active Investor Plus Visa erzeugte innerhalb von neun Monaten mehrere hundert Anträge, während das Vorgängerprogramm in zweieinhalb Jahren nur gut hundert Anträge verzeichnete. Der Report erklärt diesen Sprung nicht allein mit dem Visum selbst, sondern mit Neuseelands Positionierung als Klimastandort mit stabilen Institutionen, sicherer Energieversorgung und geografischer Distanz zu den größten geopolitischen Krisenherden. Aus Sicht der fünf Faktoren bedient Neuseeland damit vor allem Resilienz der Vermögenswerte und, über das neue Visum, Verfügbarkeit.
Historisch betrachtet ist dieser Nachfragesprung durchaus ungewöhnlich: Investorenvisa-Programme reagieren üblicherweise träge auf Politikänderungen, weil Antragsprüfung, Kapitalnachweis und Familienplanung über Jahre laufen. Dass sich die Wirkung hier innerhalb weniger Quartale zeigt, wertet der Report als Beleg für seine übergeordnete These: Entscheidungen, die früher über Generationen gereift wären, werden heute innerhalb einzelner Berichtszyklen sichtbar. Für langfristig planende Familien bedeutet das, dass sich das Zeitfenster zwischen einer Politikankündigung und einer spürbaren Verschiebung der globalen Nachfrage deutlich verkürzt hat.
China – Kapitalkontrollen treiben Diversifikation, Hongkong profitiert
China selbst erreicht mit 60,5 Punkten nur einen mittleren Rang und wird als Jurisdiktion mit „strukturellen Herausforderungen für Wohlstandsmobilität“ beschrieben. Als Gründe nennt der Report Kapitalverkehrskontrollen, eingeschränkten internationalen Zugang sowie Bildungsüberlegungen, die vermögende chinesische Familien zunehmend zur internationalen Diversifikation bewegen – bevorzugte Ziele sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Singapur, die USA und das Vereinigte Königreich. Innerhalb dieser Bewegung nimmt Hongkong – im Report als „SAR China“ geführt, also als Sonderverwaltungsregion der Volksrepublik China mit eigenem Rechts- und Steuersystem – mit 71,2 Punkten eine eigene, deutlich bessere Position ein: tiefe Kapitalmärkte, ein niedrigbesteuertes Umfeld und das neu aufgelegte Capital Investment Entrant Scheme (Hongkongs Aufenthaltsprogramm für Kapitalanleger) lösen erneutes Interesse aus.
Der begleitende Beitrag von Dr. Parag Khanna beschreibt dabei eine zweite, weniger offensichtliche Verschiebung: Ein wachsender Teil des Kapitals, das Hongkong erreicht, wandert von dort aus weiter nach Singapur – Hongkong wird damit stärker zur Durchgangsstation als zum Endpunkt. Diese zweistufige Bewegung, von Festlandchina nach Hongkong und von dort weiter nach Singapur, zieht sich bereits seit mehreren Jahren durch die Berichte von Henley & Partners und bestätigt sich in der Ausgabe 2026 erneut. Für die Einordnung heißt das: Wer chinesisches oder mit China verbundenes Vermögen betrachtet, sollte Hongkong nicht als Endstation, sondern als einen von mehreren Zwischenschritten innerhalb eines längeren Diversifikationspfads verstehen.
Nigeria und Afrika – ein methodischer Hinweis
Nigeria bildet mit 43,0 Punkten das Schlusslicht des gesamten Rankings und wird als Jurisdiktion mit „anhaltendem Druck auf die Wohlstandsmobilität“ eingestuft. Als Ursachen nennt der Report Währungsschwäche, Sicherheitsbedenken, politische Unsicherheit und eine breitere wirtschaftliche Instabilität, die vermögende Familien zu dauerhafter internationaler Diversifikation und Abwanderung bewegen.
Bemerkenswert für die Einordnung ist, dass Nigeria die einzige Jurisdiktion südlich der Sahara ist, die im gesamten Report namentlich mit einem Score geführt wird. Das ist kein Werturteil über den Kontinent, sondern spiegelt in erster Linie die Datenverfügbarkeit und den Zuschnitt der Studie auf jene Märkte, aus denen Henley & Partners selbst Anfragen und Antragsdaten erhält. Für eine differenzierte Einschätzung anderer afrikanischer Märkte – etwa Südafrika, Kenia oder Ägypten – liefert dieser Report damit keine ausreichende Grundlage; wer dort ansässige Mandanten oder Familienzweige betreut, sollte sich bewusst sein, dass die fünf Faktoren als Orientierungsraster zwar grundsätzlich anwendbar bleiben, ein vergleichbarer Score dafür aber schlicht nicht existiert.
Quelle: Wealth Mobility Markets to Watch 2026
Quelle: Global Wealth Mobility Leaders 2026
Quelle: Safe Havens and the Future of Wealth Migration (Dr. Parag Khanna)
Ausblick
Der begleitende Beitrag von Dr. Parag Khanna benennt drei Muster, die sich nach Einschätzung des Reports in den kommenden Jahren fortsetzen dürften. Erstens wird Wohlstandsmigration strategischer und weniger reaktiv: Statt nach einer bereits angekündigten Steueränderung umzuziehen, positionieren sich mobile Familien zunehmend im Voraus, bevor eine Politikänderung überhaupt beschlossen ist. Zweitens wird Diversifikation zur Grundhaltung: Ein einzelner Wohnsitz für Vermögen, Familie und Geschäftstätigkeit wird eher zur Ausnahme, das über mehrere Jurisdiktionen verteilte Portfolio zur Regel. Drittens rücken klimatische und geopolitische Widerstandsfähigkeit von einer Randerscheinung ins Zentrum der Standortentscheidung.
Der Beitrag von Philippe Amarante ergänzt dazu eine Perspektive auf die Anbieterseite: Jurisdiktionen, die im Wettbewerb um mobiles Vermögen erfolgreich bestehen, verbinden nach seiner Einschätzung drei Eigenschaften. Kohärenz, also aufeinander abgestimmte Politik bei Steuern, Regulierung und Zugang statt isolierter Einzelmaßnahmen; Verlässlichkeit über einen Planungshorizont, der zur langfristigen Perspektive vermögender Familien passt; und eine Positionierung, die sich am globalen Wettbewerbsfeld misst, nicht nur an der eigenen Region. Wo diese drei Eigenschaften fehlen, so die Beobachtung des Reports, verlieren selbst wirtschaftlich starke und historisch angesehene Standorte an Boden – nicht plötzlich, aber messbar.
Für die eigene Einordnung lassen sich daraus einige Fragen ableiten, ohne dass es dafür einer pauschalen Antwort bedarf: Wie viele Jurisdiktionen deckt das eigene Portfolio an Aufenthaltsrechten, Staatsangehörigkeiten und Vermögensstandorten bereits ab? Auf welchem der fünf Faktoren steht das eigene Wohnsitzland aktuell am stärksten unter Druck? Und welche Rolle spielt Klimaresilienz bislang in der eigenen langfristigen Planung, verglichen mit der reinen Steuerfrage? Der Report liefert dazu keine fertigen Antworten, aber ein Raster, an dem sich diese Fragen für die eigene Situation durchdenken lassen.
Quelle: Safe Havens and the Future of Wealth Migration (Dr. Parag Khanna)
Quelle: How Governments Win Global Wealth (Philippe Amarante)
Quellen
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