Der UBS Global Wealth Report 2025 bietet eine umfassende Analyse der weltweiten Vermögensbildung und -verteilung in über 50 Schlüsselmärkten. In seiner 16. Ausgabe zeigt der Bericht, dass die Welt im Jahr 2024 insgesamt reicher geworden ist, wobei das globale Privatvermögen um 4,6 % gestiegen ist – eine Beschleunigung gegenüber dem Vorjahr. Hinter dieser positiven Schlagzeile verbirgt sich jedoch ein komplexes Bild aus regionalen Disparitäten, demografischen Verschiebungen und einem historischen Vermögenstransfer.
1. Globale Vermögensniveaus: Ein Jahr der Beschleunigung und Disparität
Nach einem Rückgang im Jahr 2022 und einer Erholung 2023 setzte sich der Aufwärtstrend 2024 fort. Das Wachstum war jedoch höchst ungleichmäßig verteilt. Während die Amerikas einen Zuwachs von über 11 % verzeichneten, blieb das Wachstum in den Regionen APAC (Asien-Pazifik) und EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) mit weniger als 3 % bzw. unter 0,5 % nahezu flach.
Ein entscheidender Treiber für diese Entwicklung waren die Finanzmärkte. Das weltweite Finanzvermögen stieg um 6,2 %, während das Sachvermögen (non-financial wealth) nur um 1,7 % wuchs. Besonders die starke Performance der US-Märkte in Verbindung mit einem stabilen US-Dollar festigte die Dominanz Nordamerikas. In der Tat halten die USA und Festlandchina gemeinsam mehr als die Hälfte des gesamten persönlichen Vermögens weltweit.
Ein interessanter Aspekt des Berichts ist die Unterscheidung zwischen Durchschnitts- und Medianvermögen:
- Beim Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem führen die Schweiz (ca. 687.000 USD) und die USA (ca. 621.000 USD) die Rangliste an.
- Betrachtet man jedoch das Medianvermögen – das ein genaueres Bild der Mitte der Gesellschaft zeichnet – steht Luxemburg mit rund 395.000 USD an der Spitze, gefolgt von Australien und Belgien. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass in Ländern wie den USA der Reichtum stärker an der Spitze konzentriert ist, während er in Ländern wie Belgien oder Luxemburg gleichmäßiger verteilt ist.
2. Die Vermögensverteilung: Der Aufstieg der „Everyday Millionaires"
Ein zentrales Thema des diesjährigen Berichts ist der Aufstieg der sogenannten EMILLIs (Everyday MILLIonaires). Dabei handelt es sich um Personen mit einem Vermögen zwischen einer und fünf Millionen US-Dollar.
- Ihre Zahl hat sich seit dem Jahr 2000 weltweit mehr als vervierfacht und liegt nun bei etwa 52 Millionen Menschen.
- Diese Gruppe hält Ende 2024 ein Gesamtvermögen von rund 107 Billionen USD, was fast dem Vermögen derjenigen entspricht, die mehr als fünf Millionen USD besitzen (119 Billionen USD).
- Der Haupttreiber für diesen Zuwachs war vor allem die Wertsteigerung von Immobilien.
Am oberen Ende der Pyramide identifiziert der Bericht 2.891 USD-Milliardäre. Es zeichnet sich ein Trend zur Multigenerationalität ab: Die Zahl der Erben von Milliardären ist von 4.136 im Jahr 2015 auf 6.441 im Jahr 2024 gestiegen. Interessanterweise gibt es nur 31 Individuen weltweit, deren Vermögen die Marke von 50 Milliarden USD überschreitet.
In Bezug auf die Vermögensungleichheit, gemessen durch den Gini-Koeffizienten, zeigt sich ein gemischtes Bild. In 26 der 56 untersuchten Märkte ist die Gleichheit in den letzten fünf Jahren gestiegen, am stärksten in den USA, Thailand und Großbritannien. Dennoch bleibt die Ungleichheit in Ländern wie Brasilien und Russland (Gini-Index von 0,82) am höchsten, während die Slowakei (0,38) am egalitärsten ist.
3. Der „Great Wealth Transfer": 83 Billionen USD in Bewegung
Eines der bedeutendsten Phänomene der nächsten zwei Jahrzehnte ist der globale Vermögenstransfer. Schätzungen zufolge werden in den nächsten 20 bis 25 Jahren rund 83 Billionen USD vererbt oder verschenkt.
- Etwa 9 Billionen USD davon sind „horizontale" Transfers, die meist zwischen Ehepartnern stattfinden.
- Die restlichen 74 Billionen USD fließen vertikal an die nächste Generation.
Besonders Frauen spielen hierbei eine wachsende Rolle. Aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung werden viele Frauen die Kontrolle über das Haushaltsvermögen übernehmen, nachdem sie von ihren Ehepartnern geerbt haben (horizontaler Transfer). In den USA zeigen Umfragen jedoch, dass 74 % der Frauen sich nicht ausreichend vorbereitet fühlen, um dieses Erbe ohne Schwierigkeiten zu verwalten. Oft fehlen klare Gespräche oder formale Nachlasspläne innerhalb der Familien.
4. Regionale Snapshots und Generationaler Fokus
Der Bericht bietet detaillierte Einblicke in spezifische Märkte und deren Besonderheiten:
- USA: Hier ist das Vermögen stark bei den Baby Boomern (geboren 1946–1964) konzentriert, die zusammen über 83 Billionen USD besitzen – fast doppelt so viel wie die Generation X. Jüngere Generationen (Millennials) investieren tendenziell mehr in Immobilien und private Unternehmen (Entrepreneurship), während die älteren Generationen einen höheren Anteil an Aktien halten.
- Schweiz: Das Land bleibt Weltmeister beim Durchschnittsvermögen. Eine Besonderheit ist die hohe Verschuldung pro Kopf (26 %), was unter anderem an der steuerlichen Absetzbarkeit von Schulden und der fehlenden Pflicht zur vollständigen Amortisation von Hypotheken liegt.
- Australien: Hier machen Immobilien fast 53 % des Privatvermögens aus, was einer der höchsten Werte im Ländervergleich ist.
- Schwellenländer: Ihr Anteil am globalen Vermögen liegt stabil bei etwa 30 %. Während Länder wie die Türkei ein enormes nominales Wachstum im lokalen Währungswert verzeichneten, schrumpfte ihr Vermögen real (inflationsbereinigt) deutlich.
5. Ausblick bis 2029: Stetiges Wachstum voraus
Die Prognosen für die kommenden Jahre sind optimistisch. UBS erwartet, dass das Vermögen weltweit weiter wachsen wird, primär angetrieben durch die USA und China.
Die Zahl der USD-Millionäre soll bis 2029 um weitere 5,34 Millionen steigen, was einem Zuwachs von fast 9 % entspricht. Dieses Wachstum wird vermutlich weniger durch allgemeines Wirtschaftswachstum als vielmehr durch Asset-Preise und Innovationen im Kontext des strukturellen Wandels getrieben.
Fazit
Der UBS Global Wealth Report 2025 verdeutlicht, dass wir uns in einer Ära des Vermögensumbruchs befinden. Das Wachstum ist zwar robust, aber die Schere zwischen den Regionen und innerhalb der Gesellschaften bleibt weit offen. Der massive Vermögenstransfer und der Aufstieg der „Everyday Millionaires" verändern die Landschaft der Vermögensverwaltung grundlegend. Strategische Weitsicht und fachkundige Beratung werden in diesem dynamischen Umfeld immer wichtiger, um finanzielle Ziele zu erreichen und das Erbe für kommende Generationen zu sichern.
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